Handy im Bett: Was Screen Time mit deinem Schlaf macht
In der Regressionsanalyse einer großen norwegischen Studie mit knapp 39.000 Studierenden war jede zusätzliche Stunde Screen Time nach dem Zubettgehen mit 59 Prozent höheren Odds für Insomniesymptome und 24 Minuten weniger Schlaf verbunden. Das ist ein Zusammenhang, kein garantierter Ursache-Wirkungs-Effekt. Aber der Ort, an dem du scrollst, zählt.
Eine Stunde im Bett. 59 Prozent höhere Odds.
Hjetland und Kollegen untersuchten Studierende zwischen 18 und 28 Jahren. Mehr Screen Time im Bett hing mit mehr Insomniesymptomen und kürzerer Schlafdauer zusammen; pro zusätzlicher Stunde waren es statistisch 24 Minuten weniger Schlaf. Weil die Studie querschnittlich war und auf Selbstauskunft beruhte, kann sie die Richtung nicht beweisen. Als Realitätsanker ist sie trotzdem stark: Der Bildschirm nach dem Zubettgehen ist kein kleiner Rest des Tages.
Nicht jede Nutzung ist gleich
Eine zweite Studie beobachtete 79 Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren über 323 Nächte und erfasste sowohl Screen-Nutzung als auch Schlaf objektiv. Die gesamte Nutzung in den zwei Stunden vor dem Zubettgehen war nicht konsistent mit schlechteren Schlafmaßen verbunden. Deutlicher war die Nutzung erst im Bett, besonders bei interaktiven Tätigkeiten. Pro zehn zusätzlichen Minuten Screen Time im Bett wurden im Mittel etwa drei Minuten weniger Schlaf beobachtet; bei interaktiver Nutzung waren es etwa neun Minuten.
Das Problem ist seltener der Bildschirm am Abend. Es ist der Bildschirm im Bett.
Die Morgenroutine zählt auch
Ein gut zitierbarer Alltagsindikator ist der Start in den Tag. Laut Deloitte schauen 46 Prozent der Erwachsenen in Deutschland direkt nach dem Aufwachen aufs Smartphone. In der JIM-Studie 2025 berichteten rund 30 Prozent der Jugendlichen, morgens häufig müde zu sein, weil sie nachts zu lange am Handy waren. Das sind Selbstauskünfte, keine Krankheitsdiagnosen. Aber sie zeigen, wie viele Menschen den Zusammenhang im eigenen Alltag bereits spüren.
Was konkret hilft
- Das Handy hat nachts einen festen Platz außerhalb des Schlafzimmers.
- Ein klarer Schnitt am Abend, der nicht jeden Tag neu verhandelt wird.
- Der erste Griff am Morgen geht nicht zum Display.
Genau solche Grenzen lassen sich mit einer festen Routine leichter halten als mit Vorsätzen. Ein Schlaf-Mode, der abends automatisch greift und morgens hält, nimmt dir die Entscheidung im müden Moment ab.
Quellen
- Hjetland et al., Screen Time im Bett und Schlaf, 2025: 45.654 Personen in der Gesamtstichprobe, knapp 39.000 in der Regressionsanalyse der zentralen 59-Prozent-/24-Minuten-Angabe. frontiersin.org
- Brosnan et al., objektive Screen- und Schlafmessung bei 79 Jugendlichen über 323 Nächte, JAMA Pediatrics 2024. jamanetwork.com
- Han et al., aktualisierte systematische Review und Meta-Analyse zu elektronischer Mediennutzung und Schlafqualität, 2024. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
- Deloitte Deutschland, Smartphone-Studie 2024 (Nutzung nach dem Aufwachen). deloitte.com
- JIM-Studie 2025, Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. mpfs.de


