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← Blog Forschung·2 Min Lesezeit·Juli 2026

Zwei Wochen ohne mobiles Internet: Was 90,7 Prozent wirklich bedeutet

In einem randomisierten Experiment verbesserten sich 90,7 Prozent nach ihrer jeweils zweiwöchigen Offline-Phase gegenüber dem eigenen Ausgangswert in mindestens einem von drei Bereichen: subjektives Wohlbefinden, psychische Gesundheit oder objektiv gemessene Daueraufmerksamkeit. Eine starke Zahl – wenn man präzise sagt, was sie misst.

Was genau passiert ist

Castelo und Kollegen gewannen 467 Personen für eine randomisierte Wartelistenstudie. Eine Smartphone-App blockierte zwei Wochen lang das gesamte mobile Internet – über WLAN und Mobilfunk. Telefonieren und SMS blieben möglich. Gemessen wurden subjektives Wohlbefinden, psychische Gesundheit und Daueraufmerksamkeit, letztere mit einem objektiven Test statt nur per Selbstauskunft.

Das kontrollierte Ergebnis

In der ersten Studienphase verbesserten sich in der Interventionsgruppe mehr Menschen als in der Warteliste: 75 gegenüber 47 Prozent beim Wohlbefinden, 68 gegenüber 52 Prozent bei der psychischen Gesundheit und 59 gegenüber 46 Prozent bei der Daueraufmerksamkeit. Der Unterschied bei der Aufmerksamkeit verfehlte in diesem Vergleich knapp die übliche statistische Schwelle (p = 0,062).

Was die 90,7 Prozent genau sagen

Über beide Studienphasen hinweg erhielt jede Gruppe ihre Offline-Zeit. Danach hatten sich 90,7 Prozent gegenüber ihrem eigenen Ausgangswert in mindestens einem der drei Bereiche verbessert. Die Zahl ist also nicht der Unterschied zwischen Intervention und Kontrollgruppe – und sie bedeutet nicht, dass sich alle drei Bereiche bei 90,7 Prozent verbesserten.

Der Realitätscheck: konsequent offline war schwer

Nur 119 Personen, also 25,5 Prozent der 467 Teilnehmenden, erfüllten das vorab festgelegte Kriterium für ausreichende Blocker-Nutzung. Das macht die Studie nicht wertlos; es zeigt, wie anspruchsvoll eine radikale Komplettsperre im Alltag ist.

Musst du jetzt zwei Wochen offline?

Nein. Die Studie testete eine radikale Komplettsperre, nicht einzelne Apps, kleinere Zeitfenster oder den ctrl key. Sie beweist deshalb nicht, dass eine mildere Dosis dieselben Effekte erzeugt. Für den Alltag kann ein geschützter Vormittag, ein Abend ohne Feed oder ein Schlafzimmer ohne mobiles Internet trotzdem der realistischere erste Schritt sein. Genau solche selbst gewählten Fenster macht der ctrl key leicht wiederholbar.

Quelle

Castelo et al., Blocking mobile internet on smartphones improves sustained attention, mental health, and subjective well-being, 2025. PNAS Nexus. Alle zentralen Zahlen stehen außerdem in unserer Forschungs-Bibliothek.